Einsätzer Mai 2020
Foto: Axel Göttsch
Text: Sannah Wagner-Göttsch
Liebe Alle,
der Flow hat uns wieder.
Entsprechend bunt sind unsere Mai-Einsätzer : Ob Serienmord in der Weimarer Republik, jugendliche Detektive in Indien oder ein befreiter Sklave mit Superkraft, ob verdient preisgekrönte deutsche Literatur – bei Seilers „Stern 111“ finden Kritiker und Publikum endlich wieder zusammen – oder Bridget Jones mit Dreitagebart, ob kluge Gespräche mit Nerds aus aller Welt oder das Thema Familie in unterschiedlichen Facetten, ob Südafrikanische Küche, Hausmannskost oder Blankeneser Fisch, all diese Titel verbindet eines: unsere Begeisterung für sie.
Und diese mit Euch zu teilen, ist uns ein Fest.
Viel Spaß beim Entdecken wünschen
Sannah, Axel, Claudia & Kathi
von der Buchhandlung
– Ein guter Tag –
Belletristik
Fesselnd und jenseits der Klischees: Anhand des wohl berühmtesten Serienmords der 1920er Jahre in Deutschland, porträtiert Kurbjuweit eine von den Verlusten und dem Trauma des ersten Weltkriegs geprägte Gesellschaft. Erschienen bei Penguin, 320 Seiten, gebunden, 22 Euro
Im Bauch der Königin von Karosh Taha
Authentisch, poetisch und mit genauem Blick lässt Taha die Geschichte von Younes und seiner Mutter, der freizügigen Shahira, durch die Augen der Freunde Amal und Raffiq entstehen. Ein gelungen mehrdimensionaler Blick in eine Kultur voller Ambivalenzen. Erschienen bei Dumont, 250 Seiten, gebunden, 22 Euro
Nix passiert von Kathrin Wessling
Alex, gerade dreißig, seit Jahren in Berlin angekommen, wälzt sich mit gebrochenem Herzen auf dem Bett. Wesslings „Bridget Jones mit Dreitagebart“ beschließt, früher war alles besser und kehrt in die Provinz zurück. Nur schade, dass dort niemand auf ihn gewartet hat…. Erschienen bei Ullstein fünf, 240 Seiten, gebunden, 18 Euro
Ob London in der Nachkriegszeit, Internat oder unbeschwerte Ferien auf Linkenholt, Tremain erinnert sich an ein Leben voller kindlichen Glücks und an Menschen, geprägt von Verlusten und enttäuschten Erwartungen… nostalgisch, herzerwärmend und zutiefst menschlich. Erschienen bei Insel, 211 seiten, gebunden, 22 Euro
November 89: die Mauer ist gefallen, die Entscheidung auch. Inge und Walter Bischoff werden gehen, ihr Sohn Carl bleiben – zumindest in Berlin. Atmosphärisch verdichtet Seiler die Geschichte einer Familie zwischen poetischer Revolution und bitterer Realität. Erschienen bei Suhrkamp, 528 Seiten, gebunden, 24 Euro
Allegro Pastell von Leif Randt
Eine Liebesgeschichte der Wohlstands-Gegenwart, seltsam entrückt – mit der ihm eigenen präzisen Distanziertheit nähert sich Leif Randt seinen Figuren Jerome und Tanja und reflektiert sensibel eine moderne Suche nach Tiefe jenseits der Konventionen. Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 288 Seiten, gebunden, 22 Euro
Die Optimisten von Rebecca Makkai
Chicago 1985 – Yale erlebt, wie die beginnende AIDS-Epidemie ihre Spuren hinterlässt. Paris 2015 – Fiona macht sich auf die Suche nach ihrer Tochter, die ihr aus dem Weg geht. Berührend und vielstimmig koppelt Makkai das Schicksal ihrer Figuren über zwei Zeitebenen. Erschienen bei Eisele, 624 Seiten, gebunden, 24 Euro
Basierend auf dem Leben ihres Großonkels Josef Klein, erzählt Lenze mit genauem wie persönlichen Blick die fiktive Geschichte eines deutschen Auswanderers, der im New York der 30er Jahre in die Fänge des deutschen Spionagenetzwerks gerät. Erschienen bei Klett-Cotta, 301 Seiten, gebunden, 22 Euro
Regenbeins Farben von Kerstin Hensel
Ein Friedhof in der Einflugschneise, drei sehr unterschiedliche Witwen, die sich regelmäßig bei der Grabpflege begegnen und ein scheuer Witwer, der neu dazu kommt… Hensel erzählt in ihrer Novelle fein und humorvoll von den unerwarteten Verflechtungen des Lebens. Erschienen bei Luchterhand, 256 Seiten, gebunden, 18 Euro
Die „Bagage“, so wird die in Armut lebende Familie Moosbrugger von den Dörflern im Tal genannt. Monika Helfer komprimiert hundert Jahre ihrer Familiengeschichte zu einem schmalen Herkunftsroman, der alles andere als dünn ist. Erschienen bei Hanser, 158 Seiten, gebunden, 19 Euro
Rote Kreuze von Sasha Filipenko
Als der junge Alexander nach Minsk kommt, will er nur vergessen, doch seine 90-jährige Nachbarin tut alles, um sich zu erinnern… Filipenko lässt das neue und das alte Russland durch seine Figuren in einen Dialog treten, den man nicht so schnell vergisst. Erschienen bei Diogenes, 288 Seiten, gebunden, 22 Euro
Elijahs Lied von Amanda Lasker-Berlin
Elijah, Noa und Loth, drei Schwestern, versuchen, auf einer gemeinsamen Wanderung ihrer Entfremdung zu begegnen. Lasker-Berlins eindringliches Debüt erzählt eine überraschend spannende wie politische Familiengeschichte. Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 252 Seiten, gebunden, 22 Euro
Die Detektive vom Bhoot-Basar von Deepa Anappara
Als ein Junge aus seinem Viertel verschwindet, machen sich Jai und seine Freunde eigenmächtig auf die Suche. Anappara gelingt mit ihrem Krimi ein authentischer, lebendiger Blick in das Herz eines neunjährigen Tausendsassas ebenso wie in das des modernen Indiens. Erschienen bei Rowohlt, 398 Seiten, gebunden, 24 Euro
Ein wenig Glaube von Nickolas Butler
Was bedeutet der Glaube in Zeiten der Krise und wie weit darf er gehen? Auf den Spuren dieser Fragen beweist Butler in seinem neuen Familienroman einmal mehr sein erzählerisches Feingefühl und sein großartiges Gespür für das Große im Kleinen. Erschienen bei Klett-Cotta, 382 Seiten, Klappenbroschur, 17 Euro
Der Wassertänzer von Te-Nehisi Coates
Komplex und ungewöhnlich: Hiram Walker, in Sklaverei geboren, doch aus beiden Welten stammend, stellt seine Gabe der Konduktion in den Dienst des „Underground“. In seinem Debut verwebt Coates klassische historische Erzählung mit modernem Heldenmythos. Erschienen bei Blessing, 544 Seiten, gebunden, 24 Euro
Und jetzt bin ich hier von Jessica Andrews
In intensiven Miniaturen verwebt die 28-jährige Andrews die Fragen nach familiären Bindungen, Klassenzugehörigkeit mit der ambivalenten Sehnsucht nach einem Zuhause – ein Roman von emotionaler und sprachlicher Tiefe, den man nicht so schnell vergisst. Erschienen bei Hofmann & Campe, 336 Seiten, gebunden, 23 Euro
Sachbuch
Im Grunde Gut von Rutger Bregman
„Survival of the friendliest“ – Greifbar und mit so manchem Aha-Effekt deutet der Historiker Bregman neueste Erkenntnisse unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen und zeigt, dass vielleicht nicht alles gut ist, was wir tun, aber es doch meist so gemeint ist. Erschienen bei Rowohlt, 480 Seiten, gebunden, 24 Euro
Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein von Benjamin Maack
Kein Ratgeber, kein launiger Bericht aus dem Keller der Seele – es sind ehrliche Worte, manchmal Leerstellen, Wortstummel, abgebrochene Sätze. Maack teilt die Gedankenwelt des Außer-Sich-seins, gewährt Einblick in das Unsagbare der Depression. Und berührt. Erschienen bei Suhrkamp, 333 Seiten, gebunden, 18 Euro
Philosophie der Wildnis von Baptiste Morizot
„Sich einwalden“, so nennt es der Philosoph Morizot, wenn er sich aufmacht, in der Provence Schäfer zu begleiten, um dem Wolf in die Augen zu sehen oder in Kirgisistan dem Schneeleoparden zu folgen. Klug, bewusst und tiefgründig. Erschienen bei Reclam, 191 Seiten, gebunden, 18 Euro
Nochmal Deutschboden von Moritz von Uslar
Alles anders 2019 im brandenburgischen Zehdenick? Zehn Jahre nach seinem ersten Besuch kehrt von Uslar zurück in die Kleinstadt und trifft sie wieder, die alten „Helden“, ebenso wie neue Gesichter. Rau, unmittelbar, ehrlich – ein Journalist geht in Stellung. Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 330 Seiten, gebunden, 22 Euro
17 erhellende Interviews, die wach machen: Während ihrer Arbeit an „GRM“, ein Roman, der sich vor allem durch eine fast erdrückende Klarsicht auf den Zustands unserer Welt auszeichnet, stellte Berg für ihre Recherche den „Nerds“ der Welt die richtigen Fragen. Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 329 Seiten, gebunden, 22 Euro
Wo die wilden Frauen wohnen von Anne Siegel
Ein besonderer Blick auf Island und seine Frauen: ob Fischerin, Geothermalingenieurin oder Musikerin, Anne Siegel trifft außergewöhnliche Frauen in ihrem Umfeld und portraitiert sie und das Land, in dem sie leben mit feiner Beobachtungsgabe. Erschienen bei Malik, 256 Seiten, gebunden, 20 Euro
Kochbuch
A Sauerkraut’s Kitchen von Anni von Bergen
Eine kulinarische Reise durch unser schöner Land – Bundesland für Bundesland kocht und zeichnet sich Anni von Bergen durch die Hausmannskost unserer Republik. Erschienen im Jaja Verlag, 168 Seiten, gebunden, 26 Euro
180 ° 20 min – Das Buch zum Blankeneser Fischhuus
Ob klassisch oder modern, das Blankeneser Fischhuus, als kleines Familienunternehmen in Hamburg eine Institution in Sachen Fisch, überzeugt mit diesem äußerst gelungenen Buch noch jeden vom Lecker eines Fischgerichts. Erschienen bei Seltmann + Söhne, 256 Seiten, gebunden, 35 Euro
Südafrika – Das Kochbuch von Ivana Ströde
Südafrikanische Küche spiegelt die Einflüsse, die das Land im Laufe der Jahrhunderte geprägt haben – stimmungsvoll und in knappen Texten erläutert Ströde diese und versammelt ihre Vielfalt in einer gelungenen Rezeptauswahl. Gut umsetzbar. Erschienen bei Edition Michael Fischer, 240 Seiten, gebunden, 30 Euro
Greenfeast Frühjahr-Sommer von Nigel Slater
Nigel Slater teilt die leichten und gut kombinierbaren Highlights aus seinen Esstagebüchern der letzten Jahre. Und weil, ohne es darauf angelegt zu haben, seine Koch- und Essweise immer „grüner“ wurde, ist es eben ein „Greenfeast“ – ein grünes Festmahl. Erschienen bei Dumont, 336 Seiten, gebunden, 28 Euro
Kinderbuch
Das wilde Volk erwacht von Sylvia Linstead
Die Stadtbewohner drohen Farallone zu vernichten, nun liegt es in Comfrey und Tins Hand, die Prophezeiung zu erfüllen… Rasant beschließt der zweite Band das Abenteuer um das wilde Volk. Erschienen bei Woow Books, 384 Seiten, gebunden, 18 Euro (ab 11)
Das Mädchen, das den Sturm ruft von Lindsay Lacky
Reds Weg führt von Pflegefamilie zu Pflegefamilie und mit jedem Wechsel tobt der Sturm ein wenig mehr in ihr – bis sie zu den Grooves und ihrem Streichelzoo kommt… Lackys feinfühlige Geschichte um ein ungewöhnliches Mädchen berührt und fesselt. Erschienen bei Dressler, 384 Seiten, gebunden, 18 Euro (ab 10)
Das Wolkenschiff von Vashti Hardy
Eine Expedition ins unentdeckte Südpolaris: Die Zwillinge Arthur und Marie machen sich mit Hilfe der Forscherin Harriet Culpfeffer auf die Suche nach ihrem Vater. Ein cleverer Abenteuerroman voller Magie. Erschienen bei ars edition, 320 Seiten, gebunden, 15 Euro (ab 10)
Ganz entgegen seinen Überzeugungen nimmt der Luftpiratenlehrer Adiabar den jungen Zwolle unter seine Fittiche und den Groll der anderen in Kauf. Spannender und origineller (Vor-)Lesestoff für kleine Draufgänger. Erschienen bei Ueberreuther, 247 Seiten, gebunden, 14,95 (ab 9)
Knallharte Tauben gegen das Böse von Andrew Mcdonald (ab 8)
Vincent flattert ins Abenteuer von Sonja Kaiblinger (ab 7)
Böse Brummer – Die verbotene Zone von Falk Holzapfel (ab 9)
Cornibus & Co – Ein Hausdämon packt aus von Jochen Till (ab 10)
Comic trifft auf Text: Ob Action, Grusel, Krimi oder Freundschaft, die Titel der Loewe-Wow!-Reihe bestechen selbst den überzeugten Nichtleser durch einen hohen Bildanteil, ein rasantes Erzähltempo und pointierten Witz. Erschienen bei Loewe, ab 128 Seiten, gebunden, ab 10 Euro
Wolfskinder von Herrmann/Wilken
Perfekt für Fans von „Frederick, die Maus“: Das erste Abenteuer eines kleinen Wolfrudels, spannend und zauberhaft erzählt von Svenja Herrmann und wunderschön illustriert von Jozef Wilkon Erschienen bei NordSüd, 40 Seiten, gebunden, 15 Euro (ab 4)
Ein Riese warf einen Stein von Guggenmos/Kranz
In der Krise halten wir zusammen – Guggenmos Gedicht um die Konsequenzen eines gedankenlosen Steinwurfs auf einen Ameisenhaufen wird lebendig und wuselig von Sabine Kranz Bildern eingefangen. Erschienen bei Beltz & Gelberg, 30 Seiten, gebunden, 12,95 Euro (ab 4)
Meine Freundin die Erde MacLachlan/Sanna
Scherenschnitte, kleine Klappen und so viel zu entdecken: Wunderschön und voller Poesie reisen Patricia MacLachlan und Francesca Sanna mit ihrer Freundin Erde durch ein Jahr. Erschienen bei NordSüd, 44 Seiten, gebunden, 18 Euro (ab 4)
Jim ist mies drauf Suzanne & Max Lang
Der verkniffene Gesichtsausdruck, die krumme Haltung, nein, seinen Freunden macht Jim nichts vor, er hat eindeutig schlechte Laune – allen Aufheiterungsversuchen zum Trotz. Mit viel Witz erzählen die Langs von einem echt miesen Tag. Erschienen bei Loewe, 32 Seiten, gebunden, 12,95 Euro (ab 4)
Levi hat Angst, es ist der erste Schultag in der neuen Schule, und Papa sagt: „Männer weinen nicht!“ – doch auf seinem Schulweg entdeckt er, sie tun es doch und ihre Gründe sind ganz unterschiedlich. Wunderbar in Szene gesetzt von Jonty Howley. Erschienen bei Zuckersüß, 48 Seiten, gebunden, 24,90 (ab 3)