von Sannah Wagner

Der Syndikats-Killer Roy Cady erfährt, dass er Lungenkrebs hat. Gleichzeitig will sein Boss ihn wegen einer Eifersuchtsgeschichte umbringen lassen. Roy, der glaubt, nichts mehr zu verlieren zu haben, kämpft – zu seiner eigenen Überraschung – dennoch um sein Leben. Als er einen Anschlagsversuch überlebt, flüchtet er. Im Schlepptau ein junges Mädchen, das zwischen die Fronten geraten ist. Und plötzlich regen sich in ihm, der in seinem ganzen Leben nie auf jemand anderen als sich selbst aufgepasst hat, Beschützerinstinkte. Für ihn, dessen Ende absehbar ist, geht es nun nur noch darum, das Mädchen in Sicherheit zu bringen und versorgt zu wissen.

Der Autor Nic Pizzolatto hatte hierzulande seinen Durchbruch als genialer Drehbuchautor und Entwickler der HBO-Serie True Detectives, die Anfang des Jahres in Amerika für Aufregung sorgte und im Frühjahr auch deutsche Fernseher und Köpfe erhellte. Tatsächlich schrieb Pizzolatto den Roman Galveston schon drei Jahre zuvor und als Metrolit die Rechte für die deutsche Übersetzung kaufte, zeichnete sich noch gar nicht ab, dass sein Name schon bald in aller Munde sein würde. Glück für den Verlag. Als der Roman im August auf dem deutschen Markt erschien, stand der Name des Autors trotz Debüt schon für Inhalte voller Spannung, Rohheit, menschlicher Abgründe, heruntergekommener Schauplätze und intensiver Dialoge.

Und so ist auch die Story von Galveston: heftig – die sozialen Umstände sind übel, die Orte der Handlung verwahrlost, die Darstellung der Gewalt bildlich. Die Sprache ist eindeutig, cool und rau. Dennoch lässt Pizzolatto immer wieder etwas aufblitzen – keine Hoffnung – eher Momente der Erkenntnis, die in diesem so unwirtlichen Plot fast schön wirken. Sprachlich ebenso wie in ihrer Lektion.

Auch die Beschreibungen Louisianas und Texas, die sinnliche Darstellung der Gegend, das alles macht diesen speziellen Landstrich greifbar und gibt dem Plot die spezielle Atmosphäre. Da schmeckt man das Metall der von der Schwerindustrie verpesteten Luft, wird geblendet von dem gleißenden Licht des Südens, das von den Sümpfen reflektiert wird, aus denen knorrige Bäume wie Mahnmale ragen. Pizzolatto, der in dieser Gegend aufgewachsen ist, seziert die Gegend seiner Kindheit – und zeigt, wie dicht das Schöne und das Hässliche beieinander liegen.

Als ein relativ neuer Anhänger des Genres sind meine Vergleichsmöglichkeiten sicher noch begrenzt, doch würde ich behaupten, Nic Pizzolatto hat mit Galveston den fast perfekten Gangsterroman im Stil des Noir geschrieben. Fast sage ich, weil mir ein, zwei Kniffe doch zu offensichtlich waren und die Geschichte deswegen nicht komplett überraschen konnte. Dennoch liest sich das Buch intensiv, mit manch einem Bild feiert man ein Wiedersehen, wenn man zuvor schon die unglaublich gut fotografierte Serie True Detectives gesehen hat. Doch hat das nicht den Charakter der Ideenlosigkeit, vielmehr wirkt es vertiefend. Und man ahnt, dass Nic Pizzolatto zu dem (Be)Schreiber des Südens der USA werden kann.

Galveston ist roh, hart, spannend, atmosphärisch. Metrolit kündigt in einem Nachwort eine Noir-Reihe an, die mit ein bis zwei Büchern pro Jahr ständig erweitert werden soll. Haben die kommenden Bücher eine ähnliche Qualität wie Galveston, können sich nicht nur die Fans des Genres freuen.

Der Autor: Nic Pizzolatto wurde in New Orleans geboren und ist in Lake Charles, Louisiana aufgewachsen. Mit seiner Art zu schreiben erregte er schon als Student Aufmerksamkeit. Anschließend arbeitete er als Dozent, bis er 2010 als Drehbuchautor Serien wie „The Killing“ und „True Detectives“ entwickelte. „Galveston“ ist sein erster Roman, der schon 2011 in Amerika erschien.

Das Buch: Galveston von Nic Pizzolatto, erschienen bei Walde + Graf bei Metrolit, 2014, 253 Seiten, Preis 20,00 Euro, ISBN 9783849300975