von Sannah Wagner

Mit Spannung hatten wir auf die Platte von Angus und Julia Stone gewartet. Als wir im Juni auf ihrem Konzert im Berliner Heimathafen einen ersten Eindruck von dem neuen Material bekommen konnten, waren wir irritiert und begeistert zu gleich. Irritiert, weil die Songs üppiger, lauter waren als man es bisher von ihnen kannte. Und begeistert, weil sie vom ersten Moment an so gut ins Bein gingen.

Jetzt, im August, dem letzten echten Sommermonat, liefern uns Angus und Julia Stone mit ihrer gleichnamigen Platte endlich doch noch die Musik für den Sommer – für die Gewitter, die Hitze, die Schwüle und den Platzregen. Mit Rick Rubin als Produzent, hat das australische Geschwisterpaar sich den „Godfather“ unter den Produzenten genommen. Man sagt ihm nach, dass er die Musik aus den Musikern holt. Die, die sie eigentlich sind, immer sein wollten oder sollten, ohne das sie es selbst geahnt hätten. Und tatsächlich, er verhilft den Beiden zu einem Sound, der nicht wirklich anders ist, und doch so noch nicht zu hören war.

Wenn man die gemeinsamen Alben von Angus und Julia mit ihren Solowerken vergleicht, wird der Unterschied zwischen ihnen sehr deutlich. Während Angus den eher satten, rockigen Weg beschreitet, sind Julias Songs von leisen Tönen und Fragilität gekennzeichnet. Auf den bisherigen gemeinsamen Alben haben sie es geschafft, diese beiden Seiten auf wunderbare Weise zusammenzuführen und zeitlose Perlen wie Big Jet Plane, Draw your Swords oder Private Lawns zu schaffen. Dennoch hat man, ohne sich dessen bewusst zu sein,das Gefühl entweder ihm oder ihr zu lauschen – stimmlich, wenn überhaupt, leise unterstützt von dem jeweils anderen.

Auf der neuen Platte ist das anders. Hier handelt es sich größtenteils um gemeinsam gesungene Songs, in denen die Stimmen miteinander in einen Dialog treten, jeder seine eigene Farbe einbringt. Heart beats slow oder Whereever you are sind tolle Beispiele dafür. Die Intensität, die durch den Klang dieser zwei einzigartigen Stimmen entsteht, verbunden mit mehr roughness im Arrangement, treibt einem gleichzeitig Tausende kleine Pickel auf die Haut und flirrende Unruhe in Kopf und Extremitäten.

Eine Stunde und ein paar Sekunden ist die Platte lang. Dreizehn Tracks. Und jeder einzelne macht das Herz auf, lässt einen die Augen schließen und durch den Sommer gehen als wäre Leben das leichteste der Welt – egal, ob es einen gerade am Nacken packt oder einem leicht die Wange küsst. Denn die Songs sind vor allem eines: Energie.

Energie, die Herz und Schritt beschleunigt, die einen zupacken, die einen im Regen tanzen lässt und die einem die Tränen in die Augen treibt – die guten, die man loslässt, wenn man nicht mehr anders kann als Fühlen.

Wer sich im November nach dem Sommer sehnt, hat hier die Gelegenheit ihm noch einmal für ein paar Stunden zu begegnen:

09. November Capitol, Offenbach Am Main

10. November Grosse Freiheit, Hamburg

12. November Tempodrom, Berlin

13. November Tonhalle, .München

14. November Palladium, Köln